Christa Lieb

 
Ich habe Autorenkollegen nach ihrer Phantasienschmiede befragt. Hier sind ihre Antworten.
 

Hallo Christa Lieb!
 
1. Wo schreibst Du Deine Bücher?
2. Was ist das Besondere an diesem Ort?
3. Welche Hilfsmittel benutzt Du zum Schreiben? (Kaffee, Musik)
 

Wie und wo ich arbeite …

Die Frage nach Arbeitsort und Arbeitsweise finde ich spannend … Und sie macht (mich) neugierig. Wenn man diversen Ratgebern Glauben schenkt, gibt es unzählige Varianten. Jeder schwört auf seine ureigene Methode. »Schreiben im Café« zum Beispiel, von Natalie Goldberg propagiert, hört sich toll an. Inmitten gut gelaunter, plaudernder Menschen sitzen, vor sich eine Tasse Cappuccino, aus dem Off plätschert leise Musik, und schon küsst einem die Muse.

 

 

Schön wär’s, dachte ich damals beim Lesen. Ich bin eine stille Schreiberin. Selbst Musik stört meine Gedanken. Zum Schreiben ziehe ich mich in mein Zimmer zurück. Dort sind all die Dinge, die mich inspirieren, mir Halt geben. Ich brauche Ruhe und Abgeschiedenheit. Dies zu verwirklichen, ist nicht immer einfach. Es hat lange gedauert und viele
Worte gebraucht, ehe Familie und Freunde das akzeptiert haben. Doch trotz vieler Worte glaube ich, dass einige bis heute nicht so wirklich verstanden haben, was mich antreibt, was ich da eigentlich tue und wie wichtig mir das ist. Da ist ein gehöriges Maß an Toleranz gefordert; von beiden Seiten. Ich verstehe, dass es ist nicht einfach ist, mit einer Frau auszukommen, die regelmäßig in fremde Welten aufbricht, und auf Störungen ziemlich verschnupft reagiert.
Auch heftig und oft diskutiert: Die Schreibweise. Mit der Hand oder der Tastatur. Bis vor zwei Jahren habe ich Gedanken, Ideen, erste Entwürfe überwiegend mit der Hand (vor)geschrieben und dann erst digital erfasst. Mittlerweile schreibe ich fast ausschließlich mit einem Markdown-basierten Programm am Laptop. Nur Dinge, die mir fern meines Schreibtisches einfallen, notiere ich noch handschriftlich. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass mir die Worte mit Stift und Papier »im wahrsten Sinne des Wortes« besser von der Hand gingen. Vielleicht gehe ich dem mal nach … Jetzt, im Sommer, mit Stift und Notizbuch, an einem lauschigen Platz in meinem Garten … Wenn die Leute um mich herum dies zulassen; kein Rasenmäher oder sonstiges motorisiertes Spielzeug meine Nerven strapaziert.
Wie auch immer, Sätze müssen aneinandergereiht eine spannende Geschichte ergeben. Und auch da bieten sich Diskussionen an. Einige schreiben akkurat vom ersten Kapitel bis zum Ende. Ich gehöre zu denen, die zuerst Anfang und Ende schreiben und dann kreuz und quer, wie Stimmung und Ideen es gerade hergeben. Danach setze ich die Puzzleteile zusammen. Ich gestehe, das ist oft eine Gratwanderung, weil man nur allzu schnell vom Weg/Plot abkommen kann. Bisher hat diese Arbeitsweise jedoch immer funktioniert. Sie erspart mir langes Grübeln über den
Beginn des nächsten Kapitels. Seit einigen Wochen probiere ich etwas Neues aus. In einem Artikel habe ich gelesen, dass es sinnvoll sei, Geschriebenes laut zu lesen. Ich gehe noch einen Schritt weiter und nehme es auf. Die ersten Versuche waren nicht sehr erbaulich. Auch weil es (für mich) immer etwas eigenartig ist, die eigene Stimme zu hören. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und profitiere davon. Es ist nämlich nicht nur ein spaßiger Gag, sondern auch sinnvoll. Es überrascht mich immer wieder, wie viele Schwächen, holprige Formulierungen, Doppelwörter mir beim Zuhören auffallen. Mich würde interessieren, wer diese Methode noch anwendet und wie die Erfahrungen damit sind.
Ich wünsche allen viel Freude beim Schreiben und gutes Gelingen, wo und wie auch immer.
Christa Lieb ©
 

 

Mehr Infos zu Christa Lieb und ihre Werke findest Du auf http://www.christa-lieb.de und auf ihrem Blog http://schreibtraeume.de

 
Danke Christa für Deinen Beitrag!
 
Bildquelle: Christa Lieb