Sabrina Železný

 
Ich habe Autorenkollegen nach ihrer Phantasienschmiede befragt. Hier sind ihre Antworten.
 

Hallo Sabrina Železný!
 
1. Wo schreibst Du Deine Bücher?
Im Normalfall ganz banal am heimischen Schreibtisch mit Laptop und dem Blick auf meinen grünen Hinterhof. Manchmal sehne ich mich aber nach dem Traumhotel in dem kleinen Andendorf Cotahuasi in Peru zurück, wo ich mir 2015 während einer längeren Reise eine Woche Schreibklausur gegönnt habe.

 

 

2. Was ist das Besondere an diesem Ort?
Cotahuasi liegt wundervoll abgelegen in den südperuanischen Anden, und als ich bei meinem ersten Besuch nach einem Quartier suchte, stolperte ich über dieses Hotel. Es gibt mehrere Bungalows, einen großen Garten mit Blick über das Tal, schattenspendende Obstbäume und Lamas. Und als ich das erste Mal in diesem Garten stand, dachte ich auf Anhieb: Wow! Hier will ich zum Schreiben herkommen.

Ich hatte zu der Zeit eine ziemliche Kreativflaute, meine Projekte ließen mich im Stich. Dann habe ich diese eine Woche wirklich wie im Paradies verbracht und gemerkt, wie mir das alle Inspirationsakkus auflädt: Kein Internet zum Ablenken, dafür strahlender Sonnenschein und ein traumhafter Arbeitsplatz – entweder auf der schattigen Terrasse mit meinem Netbook oder aber gemütlich mit Notizbuch mitten im Garten. Das Ganze angereichert mit langen Spaziergängen und Gesprächen mit den Dorfbewohnern, die für so manche frische Idee gesorgt haben.

Das wirklich Besondere waren aber vielleicht die Kolibris. Der Kolibri war für mich immer ein Talisman beim Schreiben. An meinem ersten Klausurtag in Cotahuasi saß ich gerade an einer sehr wichtigen Szene, in der auch ein Kolibri vorkam, und plötzlich hörte ich ein Geräusch wie von einer besonders schwerfälligen Hummel: Da schwirrte tatsächlich ein Kolibri an meiner Terrasse vorbei! Und er tauchte zuverlässig jeden Tag auf, naschte Blütennektar oder setzte sich zutraulich auf die Wäscheleine, als wolle er sich vergewissern, dass ich auch wirklich vorankomme. Ich habe das einfach als gutes Omen genommen, dass ich aus meiner Flaute wieder herauskomme. Wenn ich jetzt ein Schreibtief habe, träume ich mich nach Cotahuasi zurück.

 

3. Welche Hilfsmittel benutzt Du zum Schreiben? (Kaffee, Musik)
Ohne morgendlichen Kaffee geht gar nichts, tagsüber muss dann idealerweise immer eine Kanne Tee in Reichweite stehen. Musik kann ich direkt beim Schreibprozess nicht haben, aber zum Plotten und Anfachen der richtigen Stimmung ist sie unfassbar wichtig: Fast jedes Projekt hat bei mir seinen eigenen Soundtrack.

Ansonsten brauche ich meine liebste Schreibsoftware Scrivener – und Notizbücher. Viele Notizbücher. Jeder Roman wird mit einem eigenen Notizbuch begleitet, was ein hervorragender Grund ist, ständig neue kaufen zu können. Da kommen alle Ideen, Überlegungen, offene Fragen und spontane Inspirationsfunken rein, wenn ich mal unterwegs bin. Am Schreibtisch liegt das aktuelle Notizbuch dann immer in Griffweite.

 

4. Welche Deiner Bücher sind an diesem Ort entstanden?
Zunächst habe ich in Cotahuasi nur ein Spaßprojekt für die Schublade fertiggeschrieben, das für mich aber sehr wichtig war. Danach entstand dort eine Folge meiner Tango-Steampunkserie »Milonga«. Für mehr fehlte dann leider die Zeit, aber ich habe auch eine große Ladung Ideen mit nach Hause gebracht. Auf lange Sicht kommen also sicher noch einige Bücher, in denen etwas Cotahuasi steckt.

 

Sabrina Železný
wurde 1986 geboren und lebt als Autorin, Texterin und Übersetzerin in Berlin. In ihren Geschichten geht es meist um das Wechselspiel des Eigenen mit dem vermeintlich Fremden – den Blick hierfür schärfte ihr das Studium der Kulturanthropologie. Geschichte und Gegenwart Lateinamerikas bilden den Rahmen für realistische, magisch-realistische und phantastische Erzählungen. Mit dem Schauplatz Lateinamerika, speziell dem Andenraum, ist sie dank zahlreicher Reisen und Aufenthalte bestens vertraut. Ihr 2013 erschienenes Romandebüt „Kondorkinder: Die Suche nach den verlorenen Geschichten“ war für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. 2015 erschien der Roman „Das Geheimnis des Mahagonibaums“ bei Aufbau.

 
 

Mehr Infos zu Sabrina Železný und ihren Büchern findest Du auf: http://www.sabrina-zelezny.de/

 
Danke Sabrina für Deinen Beitrag!
 
Bildquelle: Sabrina Železný